| von Erich Beese - Pellworm
1634 riß in einer schweren Sturmflut
die große Insel Strand auseinander. Danach drifteten
die beiden Reste Pellworm und Nordstrand durch den kontinuierlichen
Abbau des aufgegebenen mittleren Teils immer weiter auseinander.
Zunächst wird die Verbindung mit dem Festland noch
über Landbrücken zwischen den immer breiter
werdenden Prielen möglich gewesen sein, aber Ende
des 18. Jahrhunderts wird die Notwendigkeit einer dauernden
Schiffsverbindung immer deutlicher.
So kam 1783 ein erster Fährvertrag mit dem Schiffer
M. Carlsen zustande, der das Privilegium einer Fährverbindung
von Ockholm nach Pellworm erhielt.
Diese Regelung erwies sich allerdings als nicht sehr zufriedenstellend.
Die „Königliche Landvogtei auf Pellworm”
leitete 1822 den Landesvorstehern einen Entwurf zu einem
„Fährregulativ mit Fährtaxe” zu
und beurteilt das bisherige Privilegium wie folgt: Die
gänzliche Vernachlässigung ihrer Verpflichtung
zur Beförderung der Reisenden und der Güter
muß die gerichtliche Annullierung des Fährprivilegiums
zur Folge haben. weil dieses mit dem Interesse eines nicht
unbedeutenden Publikums verflochten ist! Es war nämlich
immer häufiger zu Klagen gekommen, das die Fährpächter
überhöhte Fährpreise nahmen, Post- und
Frachtgut bestahlen und auch häufig wegen Trunkenheit
nicht fuhren.
Das neue Regulativ besagte: Fährtage sind Dienstag
und Freitag.Passagiere in amtlicher Tätigkeit, vorn
Militär entlassene Seeleute und königliche Post
-und Packetsachen sind unentgeltlich zu befördern.
Nach diesen Bestimmungen wurde der Post- und Passagierverkehr
bis etwa 1850 von freien Schiffern wahrgenommen. Die letzten
Postschiffer waren Heinrich Petersen, Johann Thießen
und Clas von Aspern.
Ab 1856 zeichnete sich eine neue Entwicklung ab: das Dampfschiff
„Hammer” fuhr einmal wöchentlich von
Wyk nach Husum und bootete dabei Passagiere für Pellworm
an der Wattkante aus. Wegen des großen Tiefgangs
konnte das Schiff Pellworm nicht anlaufen. Diese Verbindung
hielt etwa drei Jahre.
1859 verfaßte der Pellwormer Carstens eine umfangreiche
Eingabe an die dänische Regierung,in der er die unhaltbaren
Zustände schilderte.
1865 besuchte der Statthalter von Manteuffel Pellworm
und mit seiner Hilfestellung. die leider nur aus mündlichen
Zusagen bestand, kaufte sich der Karpitän Peter Jacob
Selmer den zum Verkauf' stehenden Husumer Regierungsdampfer
und eröffnete die erste feste Linie Pellworm -Nordstrand-Husum.
Die Linie erwies für P.J.Selmer als nicht sehr wirtschaftlich,
da aber Pellworm jetzt die Notwendigkeit einer regelmäßigen
Verbindung erkannt hatte, wurde 1872 die Pellwormer Dampfschiffahrtsgesellschaft
gegründet, die den alten Raddampfer für 20.400
Mark übernahm und auf den Namen Pellworm taufte.
1877 war das Schiff allerdings so heruntergefahren ,daß
es ersetzt werden mußte.
Es konnte noch in die Niederlande verkauft werden, der
weitere Verbleib ist nicht bekannt. Das neue Schiff wurde
hei der Werft Scheffel & Howaldt in Kiel bestellt.
Es handelte sich wiederum um einen Raddampfer.Er war 85
Fuß lang, 14 Fuß breit und ging hei einer
Seitenhöhe von 7 Fuß 3 Fuß tief. Er war
mit 58 BRT vermessen und war 8,5 kn schnell. Die Baukosten
betrugen 55.500 Mark, die Indienststellung erfolgte am
17.9.1877, der Name war wiederum Pellworm.
Nach Peter Selmer übernahm sein Schwiegersohn Peter
Wilstermann das Schiff als Kapitän seine Frau regelte
die Abfertigung im Güterschuppen, in dem heute die
Ausstellung ihren Platz hat. Der Name Wilstermann wird
in der Seefahrtsgeschichte Pellworms noch häufiger
auftauchen.
Der Dampfer fuhr recht erfolgreich, 1882 konnte eine Dividende
von 9% gezahlt werden,1883 sogar 12 %.
1902 wurde für die Gesellschaft ein turbulentes Jahr.Einmal
sollte der Raddampfer abgestoßen werden und ein
modernes Doppelschraubenschiff bestellt werden, gleichzeitig
sollte eine zusätzliche Viehschute gebaut werden,
da der Dampfer alleine den Viehtransport nach Husum nicht
bewältigen konnte.
Auch die Gesellschaftsform änderte sich, am 16.5.
1902 wurde die Neue Pellwormer Dampfschiffahrts-GmbH gegründet.
Bis dato war die Fahrtroute von Husum
zwischen Nordstrand und Hattstedt hindurchgegangen und
dann weiter durch die „Holmer Fähre”
;sie dauerte 2 1/4 Stunden in relativ ruhigem Fahrwasser.
Der Dammbau nach Nordstrand riegelte dieses Fahrwasser
ab, die neue Route ging nach Süden um den sogenannten
Heversteert herum und dauerte 2 1/2 Stunden bei manchmal
sehr unruhigem Wasser. Nur bei Hochwasser konnte eine
Abkürzung an Südfall vorbei genommen werden.
Tidebedingt war in der Regel nur eine Fahrt täglich
möglich, manchmal mußte das Schiff sogar über
Nacht in Husum bleiben.
1909 setzte eine schwere Sturmflut das Schiff vor dem
Dampferschuppen aufs Trockene, Boden und Schrauben wurden
beschädigt.
1930 hatte auch dieses Schiff seinen Dienst getan. Nachfolger
wurde ein Motorschiff, das
in Elmshorn gebaut wurde, die 4. Pellworm. Ein Konkurrenzunternehmen
1934/35 mit dem Motorboot „Pidder Lüng”
endete mit der Übernahme durch die Gesellschaft.
1959 erwarb die NPDG den kleinen umgebauten Fischkutter
„Seeadler” von Peter Hellmann, der als Kapitän
an Bord blieb, und führte damit Ausflugsfahrten durch.
1964 wurde die Seeadler durch einen Neubau mit Namen „
Nordfriesland” ersetzt.
1965 wurde der Verkehr nach Husum endgültig eingestellt
und vom neuerbauten Hafen Strucklahnungshörn auf
Nordstrand durchgeführt.
Ebenfalls wurde das Motorschiff „Pellworm”
verkauft und eine in Husum gebaute Autofähre in Dienst
gestellt. Zunehmende Autotransporte und Roll on -Roll
off-Verkehr machten diesen Schritt notwendig.
1980 gab es erneut einen Konkurrenten für die NPDG,
eine ältere Autofähre, wieder mit dem Namen
„Pidder Lüng”, auch dieser Kampf endete
nach ca. einem Jahr mit der Übernahme durch die Gesellschaft.
Seit 1992 geht der Verkehr über den neuen Tiefwasseranleger
nach Nordstrand. Damit ist die Fahrzeit auf ca. 30 min.
zusammengeschrumpft und es sind mehrere Fahrten fast tideunabhängig
täglich möglich.
Auch die jetzige Autofähre ,die traditionell den
Namen „Pellworm „ trägt, ist mittlerweile
schon die sechste.
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1870 |
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1878 |
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1900 |
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1930 |
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1976 |
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2001 |
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